Archiv der Kategorie: Berlinale 2015

mother! – Art, Spaceships and Satire

This is what I thought art was about in high-school: a heavy, ‚deep theme‘ held together by rigid structure and the iron will of an artist.

This offhand quote characterizes Aronofskys new work ‚mother!‘ pretty well and sums up the immature approach of somebody caught in an artists fantasy: constantly talking about it(he doesn’t get tired of mentioning that he wrote the script in just five days), even making it the theme of most of his works, but never quite reaching the point of creating and speaking fluidly in his own film language. It’s a shame, because I didn’t hate ‚Black Swan‘ and quite enjoy seeing Jennifer Lawrence do her thing. I was quite curious and open to a special experience, but ‚mother!‘ is just so far of the mark on so many levels it made me cringe into my seat out of embarassment… mother! – Art, Spaceships and Satire weiterlesen

Sehsüchte 2017: Dritter Tag, Fazit, Preisträger UND Musikvideos!

So, da war er nun: der dritte Tag des Sehsüchte Festivals. Zeitgleich auch der letzte Tag, an dem ich mir Filme reinziehen wollte, da ich statt der Siegerscreenings am Sonntag einen dicken Kater nach der Sehsüchte-Party eingeplant hatte. Aber dazu später mehr. Erstmal gibt’s jetzt ein paar Highlights vom dritten Tag. Anschließend noch meine Meinung zu den verschiedenen Gewinnern (sofern ich sie gesehen habe, meine Quote ist hier wie auf jedem Festival wieder denkbar schlecht) und zum Abschluss stelle ich euch noch ein paar Perlen aus der Musikvideo Sektion vor. Ran ans Werk!

Sehsüchte 2017: Dritter Tag, Fazit, Preisträger UND Musikvideos! weiterlesen

Freiheit hat ihren Preis: Sworn Virgin

Mark lebte bis jetzt in den Alpen Albaniens bei seiner Adoptivfamilie nach dem Kanun, dem alten albanischen Gewohnheitsrecht. Seine Adoptivschwester floh vor Jahren mit ihrem jetzigen Mann nach Mailand um sich einer Zwangsheirat zu entziehen. Nun sind beide Elternteile verstorben. Mark verlässt sein Elternhaus um seine Schwester zu besuchen. Dabei trifft er auf Hana.

Hana ist eine „burrnesha“. Sie schwor einst ewige Jungfräulichkeit, und hat seitdem den Status eines Mannes inne. Ihre Frauenkleider und lange Haarpracht mussten weichen. Sie lernte zu jagen und die Verpflichtungen eines Familienoberhauptes zu tragen. So wurde sie zu Mark (s.o.).

Freiheit hat ihren Preis: Sworn Virgin weiterlesen

Die Ehren der Bären – Eine Bekenntnis zum politischen und zum stillen Kino

Der Goldene Bär geht also an Taxi, von Jafar Panahi. Diese Würdigung hat der Film durch seine intelligente Machart und seine behutsame Verschränkung von Fiktion und Dokumentation zwar verdient, aber nach rein filmkünstlerischen Kriterien hätte es wohl durchaus aussichtsreichere oder zumindest gleichaufziehende Kandidaten gegeben: Man denke etwa an Body, El Club oder Eisenstein. Diese Entscheidung der Jury ist also auch als politisches Statement zu verstehen (und das eben nicht nur, weil der Film selbst durch und durch politisch ist). Die Jury bekräftigt damit den Anspruch der Berlinale, (auch) ein politisches Festival zu sein, der bei der Auswahl des diesjährigen Eröffnungsfilms oder Wettbewerbszulassung des Herzog’schen Wüstenfilms (die sich beide auf recht billige Weise beide einen bloßen politischen Anstrich geben) so peinlich ad absurdum geführt wurde.

Die Ehren der Bären – Eine Bekenntnis zum politischen und zum stillen Kino weiterlesen

Die Sorgen der Möchtegern-Bohemiens: Elixir

Der Regisseur sei selbst Kurator und habe einmal in Berlin gelebt. Diese Informationen erhielten wir vorab von Seiten des Kinos und sie sollten wohl für die Authentitzität des Folgenden bürgen. Überzeugender wurde das dadurch leider nicht: Elixir von Brodie Higgs erzählt von einer fiktiven Berliner WG (dem ‚Glashaus‘) aus leidenden Künstler-Rebellen – dargestellt in einer Mischung aus Bohémiens der vorletzten Jahrhundertwende und Eso-Hippstern der Gegenwart – , in ihrer Auseinandersetzung mit der kommerzialisierten Kunst („Fashion“, Berlin Art Week), Grundsteuern und dem Establishment im Allgemeinen. Könnte ein vielversprechendes Sujet abgeben – leider aber erfolgt die Darstellung dieser Szene und ihrer Konflikte auf so furchtbar prätentiöse, stereotype Weise, und mitunter so unreflektiert, dass der Film das Potential des Themas ebenso verschenkt wie seine handwerkliche Rafinesse.

Die Sorgen der Möchtegern-Bohemiens: Elixir weiterlesen

Die Angst vorm Fühlen: Body

Janusz vergräbt sich seit dem Tod seiner Frau in die Arbeit. Er ist Untersuchungsrichter. Leichenfunde und Tatortermittlungen bestimmen den Alltag. Seine Tochter Olga leidet an Bulimie. Sie versucht den Verlust ihrer Mutter mit Fressattacken zu kompensieren. Aus Sorge um ihre Gesundheit gibt Janusz sie in ärztliche Betreuung. Dort trifft Olga auf Therapeutin Anna, die sich neben ihrer eigentlichen Tätigkeit als Medium für Hinterbliebene verstorbener Seelen versteht.

Die Angst vorm Fühlen: Body weiterlesen

Weichgespülte Wildheit: Als wir träumten

Noch ein großer Name, der enttäuscht bei dieser Berlinale: Ausgerechnet Andreas Dresen, der mit Sommer vorm Balkon oder Wolke 9 so wunderbar einfühlsame, unkonventionelle Filme schuf, hat mit seinem neuesten Werk das glatte Gegenteil erreicht: Als wir träumten, nach dem gleichnamigen Roman von Clemens Meyer ist eine end- und einfallslose Aneinanderreihung immer gleicher Szenen, von pseudowilden Saufgelagen, stereotypen Feierszenen, Verfolgungsjagden durch die bösen Kleinstadtnazis und darauf folgenden Schlägereien. Wer da eigentlich träumt (jenseits der langweiligen Abziehbild-Charaktere) und vor allem wovon da geträumt wird (außer einer diffusen ‚Größe‘) bleibt völlig unklar – Hauptsache, große Gefühle. Und wenn Drehbuch und Darsteller die nicht alleine wecken können, dann wird das Publikum halt einfach weggebasst, bis es vergisst, was für weichgespülte Konventionen es da vorgesetzt bekommt… Der ‚große Name‘ scheint auch Andreas Dresen (bzw. seiner Filmkunst) nicht bekommen zu sein.

Weichgespülte Wildheit: Als wir träumten weiterlesen

Kind, leg‘ Dich nicht mit der Kirche an! – El Club

In einer Kleinstadt in Chile, unter der Aufsicht einer Nonne, lebt eine katholische Priestergemeinschaft. Sie sind vor einiger Zeit aus unterschiedlichen Gründen aus ihrem Dienst entlassen worden. Keiner praktiziert mehr. Es wird gemeinsam gebetet, gesungen, man kommt zum Abendessen zusammen. Alles sehr diszipliniert. Ihr einziges Laster scheint ihr Faible für Hunderennen zu sein.

So weit so gut, bis die, im visuellen und erzählerischen Sinne, recht unscharfe Ausgangssituation durch einen Neuankömmling gebrochen wird. – und zwar so gewaltig, dass ich mich kurz fassen will.

Kind, leg‘ Dich nicht mit der Kirche an! – El Club weiterlesen