Motherland (Bayang Ina Mo) – Baby out!

Im Schnitt 60 Geburten am Tag, zu Spitzenzeiten 100 Babies in 24 Stunden. Frauen, die sich Betten teilen, fremden Kindern die Brust geben, und irgendwo dazwischen zu Müttern werden. Wieder und wieder und wieder…

Motherland, im Originaltitel Bayang Ina Mo, was eigentlich soviel heißt wie Mutterstadt, ist der neue Dokumentarfilm von Ramona S. Diaz und der diesjährige Forumsbeitrag der aus Manila stammenden Regisseurin. Auf der Suche nach Material für einen Film über das Philippinische Reproduktionsrecht, stieß Diaz erstmals auf das Dr. Jose Fabella Gedenkkrankenhaus in Manila und erkannte schnell, dass dieser Ort eine ganz eigene Geschichte erzählt.

Mit ihrer Kamerafrau Nadia Hallgren im Schlepptau, sucht Diaz das Fabella, die größte Geburtenstation der Welt, auf und hält fest was sich in den überfüllten Korridoren des Krankenhauses tagtäglich abspielt. Viele der jungen Frauen, die sie dort vorfindet, waren schon einige Male zuvor im Fabella, sind Mehrfachmütter. Sie können sich aufgrund ihrer finanziellen Verhältnisse keine Empfängnisverhütung leisten oder sind aufgrund fehlender sexueller Aufklärung ungewollt schwanger geworden. Es ist keine Seltenheit, dass die Ein oder Andere jährlich wiederkehrt und das, obwohl die Krankenhausgebühren ebenfalls große finanzielle Belastung für die meisten Frauen darstellen.

Der Film taucht in den Alltag des Fabellas und das strukturierte Chaos dieser Ausnahmestation ein. Durch bloßes Draufhalten, Interviewsituationen sind nicht vorzufinden, werden die Krankenhausabläufe sichtbar, Freud und Leid nachvollziehbar. Mütter und Neugeborene sind ausschließlich gekennzeichnet durch Nummern, Nach-und Vorsorgeuntersuchungen werden im Akkord abgearbeitet, Besucheransammlungen durchgeschleust, während eine Oberschwester Hygienevorschriften und Beautytipps über die begrenzten Betten hinwegmoderiert – selbstverständlich über Mikro- und Lautsprecheranlage!

Doch das Fabella bietet auch Schutz, einen Zufluchtsort vor dem harten Alltag einer überbevölkerten und von Armut gepräten Stadt. Die Realität gestaltet sich häufig noch belastender als das, was hier drinnen vorzufinden ist. Hier, abgeschlossen von der katholischen Strenge, dürfen Frauen offen über Sex sprechen und die eigene Situation mit Humor und Selbstironie beleuchten. So entwickeln sich neben Wehen, Existenz- und Zukunftsängsten an diesem außergewöhnlichen Ort auch auf Respekt, Tapferkeit und Humor gebaute Solidaritätsgemeinschaften der Frauen untereinander.

Meine Befürchtung, hier auf zahllose Kreissaal- und Geburtenaufnahmen zu stoßen, wurden nicht bestätigt. Tauchen sie zwar auf, sind sie nur ein kleiner Bruchteil dessen, was in Motherland zum Vorschein kommt. Es geht hier nicht darum eine Geburtenmaschine zu dokumentieren, sondern die Einzelschicksale der Mütter abzulichten. Ein wichtiger Beitrag zum Thema Mutterschaft. Danke, Forum!

Maike

Bildmaterial: Berlinale Filmstill, Sektion: Forum

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