Sehsüchte 2017: Dritter Tag, Fazit, Preisträger UND Musikvideos!

So, da war er nun: der dritte Tag des Sehsüchte Festivals. Zeitgleich auch der letzte Tag, an dem ich mir Filme reinziehen wollte, da ich statt der Siegerscreenings am Sonntag einen dicken Kater nach der Sehsüchte-Party eingeplant hatte. Aber dazu später mehr. Erstmal gibt’s jetzt ein paar Highlights vom dritten Tag. Anschließend noch meine Meinung zu den verschiedenen Gewinnern (sofern ich sie gesehen habe, meine Quote ist hier wie auf jedem Festival wieder denkbar schlecht) und zum Abschluss stelle ich euch noch ein paar Perlen aus der Musikvideo Sektion vor. Ran ans Werk!

Ela – Szkice na Pozegnanie (Sketches on a Departure )

Regie: Oliver Adam Kusio20170127_Ela_Still1

Ela ( gespielt von Karolina Romuk-Wodoracka ) lebt in der polnischen Pampa in wirtschaftlich schwachen Verhältnissen. Um der heimischen Tristesse zu entkommen, wird sie bald nach Irland auswandern, der Plan, das Ticket und Englischkenntnisse hat sie bereits. Wir begleiten Ela nun auf ihren letzten Tagen in der Heimat, die vor allem vom Abschied von ihrer Schwester, ihrem Neffen und besonders ihrem Freund Jakub geprägt sind. Die Inszenierung ist recht schlicht und passt sich dem melancholischen Ton der Handlung an. Besonders stark war in meinen Augen die Leistung der Hauptdarstellerin, da Ela einem in der kurzen Spieldauer schon ganz schön ans Herz wächst. Ein leicht trauriger, unkitschiger und gut gemachter Kurzfilm, der übrigens auch in Cannes zu sehen sein wird.

Schultersieg

Regie: Anna Koch

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Nun kommen wir zur meiner Meinung nach (die Jury war da natürlcih anderer Meinung) besten Dokumentation des Festivals:
In Schultersieg geht es um vier junge Mädchen, die in Berlin auf einer Sportschule zu Ringerinnen ausgebildet werden. Sie werden dabei nicht nur während ihrem Trainingsalltag und den Wettkämpfen begleitet, sondern auch auf ihren Internatszimmern und zuhause.

Die Wettkampf- und Trainingsaufnahmen sind knallhart und super inszeniert. Die Wechsel zwischen Kampf und ganz normalem Alltag sind sehr wichtig, weil sie einem immer wieder vor Augen führen, dass es sich hier um Kinder und Teenagerinnen handelt und dem ganzen eine menschliche Note verleihen. Auch ist der Film nicht wertend, was dem Zuschauer Raum für eine eigene Meinung lässt. Teils war ich schockiert von dem sehr harten Umgangston der Trainer, auf der anderen Seite habe ich mich sehr für die jeweilige Kämferin gefreut, wenn sich die Plackerei ausgezahlt hat. Ich selbst hätte zwar immer noch keine Lust aufs Ringen, würde mir den Film aber, sollte er (hoffentlich) in die Kinos kommen, sicher noch einmal ansehen. Behaltet den mal auf eurem Zettel!

Mamma

Regie: Julia Lindström

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Amanda ist 24 und wohnt mit ihrer kleinen Schwester bei ihrer Mutter. Ihrer Kleine Schwester? Nein, tatsächlich ist die kleine Lana Amandas Tochter. Allerdings füllt sie diese Rolle bisher so gar nicht aus, und als ihre Mutter sie bittet, an Silvester auf ihre Tochter aufzupassen, ist Amandas Unmut groß. Mamma zeigt sehr realitätsnah die Schwierigkeiten, mit denen junge Mütter konfrontiert werden. Bin ich jetzt jung und verantwortungslos, oder bin ich Mutter? Oder geht vielleicht doch beides?

Zudem gab es noch eine Clubszene, die viele Zuschauer sehr eindrucksvoll fanden. Ich persönlich fand die ehrlich gesagt nicht so stark, fragte mich währenddessen eher, warum so gut wie niemand eine gute Clubszene hinbekommt. Nichtsdestotrotz hat mir Mamma, nicht zuletzt wegen der starken schauspielerischen Leistungen gut gefallen.

So, das waren die Highlights meines letzten Tages. Zeit für die Preisträger des Festivals und meine Anmerkungen dazu:

Kurz vorab: Mir ist klar, dass ich wieder viel zu viele Preisträger nicht gesehen habe. So ist das bei meinem Glück irgendwie auf jedem Festival, und auch auf dem Sehsüchte Festival blieb mir dieses Muster erhalten. Deshalb sind viele meiner Einschätzungen durch Gespräche mit anderen Festivalgästen und Filmemachern geprägt.

Preisträger des Sehsüchte Festivals 2017

  1. Bester Spielfilm: Hymyilevä Mies /The Happiest Day in the Life of Olli Mäki

    Hab ich leider nicht gesehen, da sich die Vorstellung mit einem anderen Block, den ich dringend sehen wollte überschnitten hatte. Hab aber von allen Seiten nur sehr gutes darüber gehört. 4 Sterne!

  2. Bester Dokumentarfilm: Hinter dem Schneesturm / Beyond the Snowstorm

    Da war ich schon ein bisschen überrascht. Ich hab den Gewinner zwar auch nicht gesehen, hätte mir aber zumindest eine besondere Erwähnung für Schultersieg oder Gemelos gewünscht. Diese ging dann an Herr und Frau Müller, den ich gut fand, aber dann doch nicht so stark wie die anderen beiden.
    Allgemein muss ich aber der Jury in der Einschätzung zustimmen, dass eine Aufteilung in zwei Kategorien, langer und kurzer Dokumentarfilm, sehr sinnvoll gewesen wäre. Geht da was fürs nächste Jahr, liebes Sehsüchte-Team?

  3. Bester Kurzspielfilm: Ce qui échappe / The Elusive

    I got nothing.
    Ist von der Thematik her harter Tobak (ein Schuljunge missbraucht eine Klassenkameradin). Schaut euch den doch mal an und sagt mir, wie ihr ihn fandet!
    Die lobende Erwähnung ging übrigens an den oben erwähnten Mamma. Auch dies sei hier noch einmal lobend erwähnt.

  4. Bester Genrefilm: Asteria

    Und weiter geht’s mit Filmen, die ich nicht gesehen habe (böser Janosch!). Der Animationsfilm erzählt die Geschichte von Austronauten, die sich einen Duell mit Aliens liefern, wer denn den neuen Planeten für sich beanspruchen darf. Ist nur fünf Minuten lang, und eine Minute davon habe ich auf der Preisverleihung gesehen und fand sie saulustig! Der Sieg geht von mir aus also ok so.

  5. Bester Kinderfilm: Wolkenreiter / Cloud Rider

    Keine Ahnung. War ne Kinder-Jury, die fanden den imaginären Freund super. Von daher: Yay?

  6. Bester Jugendfilm: Rocknrollertjes / Rocknrollers

    Ok, endlich ein Preisträger, den ich gesehen habe! Aber Moment mal, den fand ich doch gar nicht so gut?! Warum ging der nicht an Elegia? Ok, agree to disagree, liebe Teenager-Jury. Mir war Rocknrollers zu lang (obwohl er nur 24 Minuten lang war!) nud zu unfokussiert. Der hat halt leider nirgends hingeführt. Meh.

  7. Bestes Drehbuch: Dornröschen 2.0 – Eine Prinzessin wacht auf!

    Ok, das ist jetzt aber echt der letzte, den ich nicht gesehen habe. Den Ausschnitt, den wir auf der Preisverleihung gesehen haben, fand ich gut. Wenn der Rest auch so war, ist das sehr verdient.

  8. Bestes Musikvideo: MeTube 2: August sings Carmina Burana

    Auf dem Jahrmarkt wirft ein Junge zwei Euro für die ’super duper‘ Version von Carmina Burana in die Geldbüchse der Oma und plötzlich bricht die Hölle los! Fand ich sehr nice, hätte den Preis auch anderen gegönnt, aber das passt schon so. Das Musikvideo werd ich euch unten in der Musikvideosektion verlinken

  9. Beste Produktion: Watu Wote / All of us

    Ok, da hab ich mich sehr gefreut. Watu Wote war mein Lieblingsfilm des Festivals und hat jeden Preis verdient, den er bekommen hat. So auch den …

  10. Publikumspreis: Watu Wote / All of us

    Hurrah! Mein Lieblingsfilm war der große Gewinner des Festivals, das tröstet mich schon ein bisschen darüber hinweg, dass meine Gewinnerfilmquote wieder so schlecht war. Hut ab und Gratulation ans gesamte Team von Watu Wote und nochmal eine ausdrückliche Empfehlung an alle, die das hier lesen.

So, das war’s mit den Gewinnern, nun zu meinem Festivalfazit:
Ich hab die Zeit auf dem Sehsüchte-Festival sehr genossen. Nur selten habe ich eine Ansammlung von so leidenschaftlichen Organisatoren, aber auch Filmemachern erlebt. Alle haben sich so riesig gefreut, ein Teil davon zu sein, und ich mache da bei mir keine Ausnahme. Die Filme waren stark, die Organisation sowieso und auch die Party am Samstag hat enorm Bock gemacht. Gern komme ich nächstes Jahr wieder, und an die Berlinale-verwöhnte Leserschaft: Kommt da nächstes Jahr rum, is viel entspannter als die Berlinale und Potsdam ist auch ganz nice.

Und zum Ende hier noch ein paar Musikvideos für euch, die auf dem Festival liefen:

  1. Der Gewinner: MeTube 2: August sings Carmina Burana
    Ist ziemlich abgedreht, und dadurch echt nice! Den Song selbst finde ich so lala.
  2. Bergfilm: Nostalgic Love
    Alte Leute machen rum. Finden manche Leute komisch, ich find das gut! Das Lied mag ich auch und das Video erst recht. Viel Spaß!
  3. Von Wegen Lisbeth – Bitch
    Ok, Slowmotion-One-Shots sind nicht mehr das originellste auf der Welt. Aber der hier ist wirklich gut gemacht und lustig find ich ihn auch. Und das Lied ist halt schon n krasser Ohrwurm. ‚Hipster!‘ schreit ihr? Habt ja recht. Schaut’s trotzdem!
  4. Mein Highlight: Hadag Nahash & Infected Mushroom – Legal Eyes
    Im Video zu Legal Eyes wird Marihuana auf die kreativste und originellste Art inszeniert die ihr je gesehen habt. Damit ist eigentlich genug gesagt, ich würde aber gern noch anfügen, dass die Regisseure des Videos das lustigste und breiteste Q&A abgeliefert haben, dass ich je sehen durfte. Gude Boys!

 

Das war’s jetzt aber von mir. Danke nochmal ans Sehsüchte Festival, schönes Wochenende und überhaupt den ganzen anderen Bumms.
Liebe Grüße und bis bald, Janosch

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