Tiger Girl: Pissen in alle Ecken, auch wenn’s nicht gefällt!

Wenn Jakob Lass wieder mit einem Fogma-Film bei der Berlinale antritt, muss ich den sehen. So! (Fogma? Was ist das? Hier!)

Ziemlich klare Nummer. Schließlich hat mich Love Steaks vor 3 Jahren richtig mitgerissen. 

Steigen wir also direkt in die Story ein:

Margarete rasselt durch ihre Polizeiprüfung, bzw. fliegt durch ihren Fitnesstest. Um nicht unnötig Zeit zu vertrödeln geht sie bis zur nächsten Aufnahmechance zum Sicherheitsdienst. An ihrer Toughness will sie ja auch noch arbeiten. Irgendwie ist sie einfach zu lieb für diesen ganzen Polizeikram, so macht es zumindest den Anschein.

Für mehr Biss sorgt jetzt erstmal Tiger!

Die freche Punkgöre besetzt mit Zecke und Baby einen Berliner Dachboden, ihr Wohnwagen steht unangemeldet auf dem Tempelhofer Flughafengelände und sie lässt gern mal die Fäuste fliegen.

Sie ist das Gegenteil von Maggie, die nicht gerade vor Selbstbewusstsein strotzt, und daher umso mehr an Tigers rebellischer Art Gefallen findet. Kurzerhand organisiert Maggie ihrer Freundin eine Dienstuniform und so gehen sie gemeinsam auf Streiftouren. Dass Tiger durch die dadurch gewonnene Autorität ihren Schabernack mit der Zivilbevölkerung treibt, ist vorprogrammiert und stiftet Maggie dazu an ihr nachzueifern.

Das Ganze schaukelt sich hoch, wird kriminell, bis sich ihre Gewalt gegeneinander richtet.

Wie auch bei Love Steaks wurde hier mit viel improvisiertem Spiel gearbeitet. Die Dialoge sind bis auf ein paar Eckdaten situativ und frei gehalten. Auch die Randfiguren sind meist tatsächlich aus den jeweiligen Milieus und keine Schauspieler. Bspw. ist der Klassenleiter des Sicherheitsdienstes, Herr Feldschau, wahrscheinlich gerade aus diesem Grund so glaubwürdig.

Außerdem besticht Tiger Girl durch sein Schnitttempo, die Kampfszenen sind ungeheuer gut gemacht und bis jetzt hat dieser Film einen der sexiesten Kameraeffekte so far zu bieten (Fingerzeig: heranrollender Baseballschläger, Kamerafahrt kopfüber, yeah!).

Nicht zu vergessen das Schauspiel der beiden Hauptdarstellerinnen Ella Rumpf (Tiger) und Maria Dragus (Vanilla), deren Rollen beide spannende Entwicklungen durchmachen.

Und jetzt kommts:

Ganz hat’s mich dennoch nicht abgeholt. Gepackt schon, ja. Aber irgendwie war der Film zu nah am Vorgänger. Vielleicht einfach auch nur eine Potenzierung des Lassschen Stils. Aufgrund der vermehrten Gewaltszenen verliert der Film für mich irgendwann an Glaubwürdigkeit.

Kann schon sein, dass mir aber auch einfach nicht gelingt, mich von Love Steaks zu lösen und seinen Nachfolger als eigenständigen Film zu betrachten… Wenn man aber auch auf diesem Niveau Filme macht, kann einem das schon mal passieren Herr Lass!

Maike

Bildmaterial: Berlinale Filmstill, Sektion: Panorama Spezial

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