Feierabendbier – Jeder ist scheiße, aber zum Glück nicht ganz

Das konservative Kino erfreut sich seit Jahrzehnten einer Konjunktur, deren Ende nicht abzusehen ist. Das nächste Spielbergsche Epos läuft ab nächster Woche in den Kinos, beim Eröffnungsfilm dieser Berlinale triumphiert Gut gegen Böse und die Kids aus Fack ju Göhte 3 sind schlussendlich brav angepasst. Solch unglaubwürdige Vereinfachungen der Welt nerven und verdecken dabei, dass das Hochhalten gewisser Ideale nicht immer restriktiv sein muss. Eine gute und vor allem unheimlich spaßige Gegenerzählung dazu bietet Feierabendbier, das Spielfilmdebüt von Ben Brummer. In dieser absurden Komödie mit Noir-Einschlägen werden nämlich die großen Erzählungen von wahrer Liebe und Glück dekonstruiert, ohne, dass Brummer dabei in einen zynischen Nihilismus abgleitet.

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Girls always angry? Rou qing shi – Girls Always Happy

Die sind doch einfach unerträglich!

Das war meine Grundstimmung während der ersten Minuten in Rou Qing Shi von Yang Mingming, die zudem das Skript verfasst hat und eine der beiden Hauptrollen spielt.

Mutter (Nai An, Mitte 50) und Tochter Wu (Yang Mingming Anfang 30) leben gemeinsam in einer sehr bescheidenen Wohnung und versuchen sich beide (ja, beide) als Schriftstellerinnen. Sie leiden unter kontinuierlichem Geld- und Erfolgsmangel, vor allem aber unter sich selbst.
Irgendwie hab ich schon ’n bisschen Lust darauf, zu sehen, wie die beiden sich angiften, hab ich mir gesagt. Und die Erwartungen wurden bestätigt weiterlesen →

Relevantes ohne Drama – „Zentralflughafen THF“ von Karim Aïnouz

Eine Führung durch die Haupthalle des Tempelhofer Flughafengebäudes. Eine Gruppe Besucher hört aufmerksam zu, während die Reiseführerin über Entstehung und Geschichte des THF’s spricht. Ob sie an späterer Stelle auch auf die sich nur einige Meter weiter befindenden Flüchtlingsunterkünfte eingeht, bleibt offen. Auf alle Fälle wird schon jetzt klar, dass sich hier unterschiedliche Welten begegnen. Ist ja schließlich auch ein Flughafen…

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Guter Hund! Böser Nazi! Isle of Dogs von Wes Anderson

Vor vier Jahren kam ich mit leuchtenden Augen aus dem Eröffnungsfilm meiner ersten Berlinale und war überzeugt – Grand Budapest Hotel war ein genialer Film und dazu ein toller Eröffnungsfilm. Dementsprechend euphorisch fiel auch unser Urteil zu Wes Andersons letztem Film aus. Heute bin ich reflektierter – vielleicht auch mürrischer – und müsste meine Kritik von damals revidieren. Zum Glück geht es aber heute nicht darum, sondern um Isle of Dogs, Andersons zweitem Animationsfilm, mit dem er eine weitere Berlinale eröffnet. Und auch wenn ich gerade die erste halbe Stunde eine ähnliche Begeisterung verspürt habe wie bei Grand Budapest Hotel, muss ich mich diesmal etwas bedeckter halten. Vielleicht bin ich damit ja in vier weiteren Jahren immer noch einverstanden.

Isle of Dogs erzählt von einem Japan der nahen Zukunft, in dem sämtliche Hunde einer Metropole als Krankheitsherde gesehen und auf die praktischerweise schon ‚Trash Island‘ genannte Müllkippe im Meer vor der Stadt verbannt werden. weiterlesen →

Black 47 – 30% Elend, 70% Rache

Eine kurzweilige Kritik für einen kurzweiligen Film!

Irland 1847: Seit zwei Jahren rafft die Kartoffelfäule nahezu die Ernten dahin. Anstatt sich irgendwie um Abhilfe zu bemühen, schafft die britische Regierung zusätzlich noch irisches Getreide nach England bzw. zum Export ins Ausland. Kurz, in Irland geht alles den Bach runter und wer nicht verhungert, muss betteln oder stehlen.
In diese Situation kehrt Martin Feeney (James Frecheville) als frisch gebackener Deserteur von der britischen Armee zurück, um mit seiner Familie nach Amerika zu fliehen. Als er feststellt, dass von seiner Familie quasi nichts mehr übrig ist (die Mutter enteignet und verhungert, der Bruder am Galgen gestorben), zieht er in einen Rachefeldzug, der jedem gilt, der mit dem Leid seiner Nächsten zu tun hatte. weiterlesen →

mother! – Art, Spaceships and Satire

This is what I thought art was about in high-school: a heavy, ‚deep theme‘ held together by rigid structure and the iron will of an artist.

This offhand quote characterizes Aronofskys new work ‚mother!‘ pretty well. It also sums up the approach of somebody caught in an artists fantasy: constantly talking about it(he doesn’t get tired of mentioning that he wrote the script in just five days), even making it the theme of most of his works, but never quite reaching the point of creating and speaking fluidly in his own language. It’s a shame, because I didn’t hate ‚Black Swan‘ and quite enjoy seeing Jennifer Lawrence do her thing. I was quite curious and open to a special experience, but ‚mother!‘ is just so far of the mark on so many levels it made me cringe into my seat… weiterlesen →

The Winners! Taking A Look From The Seaside

At 18.47 on Saturday, the 9th I’m heading across the festival area after a long and exciting two weeks. It’s almost quiet in comparison to when George Clooney walked across the carpet with only a few fans for the newest Takeshi Kitano movie waiting outside. In a few minutes the awards ceremony will begin in the Sala Grande. weiterlesen →

Cuba and the Cameraman – What is in your fridge?

There has been a lot of talk about Netflix joining one of the big festivals for the first time in 2015 with Beasts of No Nation. This year a few Netflix-Productions are present at the Lido again: Starring Jane Fonda and Robert Redford in ‚Our souls at night‘, the series Wormwood and Suburra as well as ‚Cuba and the Camera Man‘, a 40- years-in-the-making documentary about life and times in Cuba. weiterlesen →