Die Bilder zum Sprechen zwingen: Tipografic majuscul (Uppercase Print) von Radu Jude

Tipografic majuscul (Uppercase Print) von Radu Jude ist ein Zitat von Michel Foucault vorangestellt. In diesem beschreibt er die Rigorosität, mit dem die komplexe Realität einer Zeit in Akten kondensiert und reduziert wird, und den Gewaltakt, den die Wissenschaft vornehmen muss, wenn sie sich dieser Zeit über die Akten nähert. Damit ist das Programm dieses Dokumentarfilms bereits auf den Punkt gebracht: Über die zwei Stunden Laufzeit hinweg verarbeitet Radu Jude kompromisslos zwei unterschiedlichen Formen von „Akten“, um einen kleinen Teil der Realität des sowjetischen Rumäniens zu extrahieren. Dabei handelt es sich einerseits um Unterlagen der Geheimpolizei, und andererseits – um den ganzen Kram, der im rumänischen Staatsfernsehen so lief. Und miteinander verschaltet bieten diese grundverschiedenen Archive den Schlüssel, sich gegenseitig zu verstehen. Das ist anspruchsvoll, vielleicht sogar bisweilen ein bisschen zäh, aber es funktioniert so gut, dass ich nicht umhinkann, hier eine kleine kulturwissenschaftliche Schwärmerei anzustimmen. Ihr seid gewarnt.

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„Aber Nikolai, was sagst du denn dazu?“ – Malmkrog von Cristi Puiu

Zur 70. Berlinale haben sich die neuen Festivalorganisator*innen was ganz Besonderes ausgedacht: Mit Encounters gibt es eine neue Sektion, die vor allem neue Wege gehen und „ästhetisch und strukturell wagemutigen Arbeiten von unabhängigen, innovativen Filmschaffenden eine Plattform bieten“ will. An sich eine sehr spannende Idee. Zur Premiere von Malmkrog von Cristi Puiu stand dann auch Carlo Chatrian, der neue künstlerische Leiter des Festivals auf der Bühne, erklärte das Konzept und machte uns heiß auf einen einzigartigen Film. Dann schauen wir mal, Encounters, kann das was? Ich war gespannt. weiterlesen →

Tough Love: „Kød & Blod (Wildlands)“ von Jeanette Nordahl

Von den 246 Langfilmen, die auf dieser Berlinale laufen, kommen etwa 60 (zumindest als Koproduktionen) aus Deutschland, um die 30 aus Frankreich, und aus Argentinien immerhin 7. Aus Dänemark kommen zwei – und einer davon ist ein Animationsfilm. Das ist enttäuschend wenig für jemand, der immer auf skandinavisches Kino geiert, zumal Filme aus Schweden, Norwegen und Finnland im diesjährigen Programm ebenso spärlich gesät sind. Mit dementsprechend ängstlicher Erwartungshaltung ging ich also in den einzigen für mich verbliebenen dänischen Film – was, wenn der jetzt nicht gut wäre? Die Sorgen waren unbegründet: Kød & Blod, der erste Langfilm von Jeanette Nordahl, ist ziemlich gut geworden.

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Was von den Tagen übrig blieb – eine Würdigung liegengelassener Filme: ‚Oray‘, ‚Dafne‘ und ‚Dreissig‘

Puhh, geschafft: Die Berlinale ist vorbei und ich muss sagen – es war höchste Zeit. Die Kräfte sind aufgebraucht. Wir haben unser Bestes gegeben und doch sind, wie jedes Jahr einige Filmperlen unverdienterweise auf der Strecke geblieben. Bevor wir nach einer kleinen Verschnaufpause nocheinmal gemeinsam zurückschauen auf diese 69. Filmfestspiele, ihre Höhe- und Tiefpunkte, will ich versuchen, da noch ein bisschen was gutzumachen und diesen Artikel jenen Filmen widmen, die trotz ihrer Qualitäten bisher keine eigene Kritik bekommen haben.

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Nasht – metaphernreicher Start, zäher Rest

Ich muss ja gestehen: Ich bin ein ziemlicher Fan des iranischen Kinos – nicht, dass ich mich damit sonderlich gut auskennen würde. Aber in den letzten Berlinale-Jahren gab es fast immer einen iranischen Film, der mich auf besondere Weise begeistert oder fasziniert hat. Dieses Jahr kam dafür nur ein Kandidat in Frage: Nasht (engl. Leakage) von der Regisseurin (!) Suzan Iravanian. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen. Wurden sie erfüllt? Leider nur in den ersten 30 Minuten.

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Fisch lernt fliegen – Viel Style, keine Substanz? (Telefonkritik mit Sven)

Ein weiterer Film aus der Perspektive deutsches Kino: Eine Frau in Venedig, ein toter Goldfisch, jede Menge Espresso und ein mysteriöser Concierge. Ergebnis: Ein erfrischendes, kurzweiliges Ideenfeuerwerk – aber leider nicht rund. Um herauszufinden, warum das so ist, hab ich Sven nach dem Kino angerufen: PS: Im Nachgespräch meinte der Regisseur auf die Frage, warum ausgerechnet Venedig: Das sei wie mit diesem Film; wenn einer sein Haus in der Lagune baut, dann ist es nach einem Jahr verschwunden – aber wenn sich ihm viele anschließen, überdauert es Jahrhunderte… Keine Ahnung, was das mit dem FIlm zu tun hat, aber trotzdem ein schöner Satz. Aber auch ganz schön bescheuert. Bildmaterial: Berlinale Filmstills; Perspektive deutsches Kino
Fisch lernt fliegen
Regie: Deniz Cooper
mit: Salka Weber, Alessandro Bressanello, Julia Edtmeier, Florian Carove,
Pino D'Angio
Produktion: Deutschland / Österreich 2019                        
Länge: 65’

Die Berlinale Preisträger 2019

Die Berlinale Preisträger 2019 sind bekannt! Hier die Gewinner und unsere Meinungen dazu!

Wettbewerb:

Goldener Bär:

Synonymes (Synonyme) von Nadav Lapid Produzent*innen: Saïd Ben Saïd, Michel Merkt:

Janosch: Hab ich nicht gesehen (den goldenen Bären verpasse ich einfach immer!). Hab auch quasi nichts davon gehört, weil ihn niemand besonders erwähnenswert fand. War wahrscheinlich ok, aber ich bin trotzdem verwirrt. Sollte der Bär nicht an So Long, My Son gehen?

Maike: Hab ich leider auch nicht gesehen, kommt dann aber in die Kinos und wird nachgeholt. Hatte gehofft, dass Svens Einschätzung (So Long, My Son) abräumen würde).

Constantin: Dito.

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