Mehr Geil als Kitsch: Prince

Man hat es nicht leicht in der Pubertät. Gerade dann nicht, wenn man in einem etwas heruntergekommenen Vorort von Amsterdam lebt, sich keine teuren Klamotten leisten kann und in die Freundin eines lokalen Schlägers verliebt ist. Das ist die Prämisse des Films Prince (Original Prins) von Sam de Jong, oder zumindest scheint es so in den ersten zehn Minuten. Zu meiner Erleichterung entfernt sich die Geschichte um Ayoub (den gerade beschriebenen Jungen) jedoch nach kurzer Zeit etwas von diesem konventionellen Pfad und driftet in härtere, experimentellere und ehrlichere Gefilde ab.

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Perfekter Film: The Look of Silence

In den Jahren 1965/66 wurden nach dem Militärputsch eine Million Menschen als vermeintliche Kommunisten ausgerufen und umgebracht – unter aktiver Zuarbeit nicht nur vom Militär, sondern auch der Zivilbevölkerung. Nachdem sich Joshua Oppenheimer bereits in The Act of Killing den Tätern zugewandt hat, wählte er für The Look of Silence die Perspektive der Hinterbliebenen. Der Indonesier Adi konfrontiert die Mörder seines Bruders Ramli mit ihren Taten – und stößt auf Leugnung, Rechtfertigungen und Drohungen. Tiefer unter die Haut kann ein Film nicht mehr gehen.

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Gut, aber grenzwertig: ‚Freie Zeiten‘

Als wir das Kino Arsenal nach der Projektion von Janina Herhoffers Freie Zeiten verliessen, hatten wir ein ungutes Gefuehl im Bauch. Die Dokumentation möchte zeigen, was Menschen tun, wenn sie nicht arbeiten, also scheinbar frei haben. Sie zeigt Menschen beim Yoga, Ballett, eine Band beim Proben, Lachyoga, Gesangs-Meditation, Weight Watchers, eine Therapiegruppe und so weiter. Ihre Botschaft: Auch in unsrer freien Zeit sind wir so mit Optimierung und Arbeit an uns selbst beschäftigt, als wäre die Zeit gar nicht ‚frei‘. Eine gut herausgearbeitete Beobachtung in einem an und für sich gut gemachten und hochinteressanten Film. Der Haken: Freie Zeiten bewegt sich oftmals hart an der Grenze zum Voyeurismus, die er unserer Meinung nach einige Male überschreitet.

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Warum Sven von ‚Der Bunker‘ enttäuscht war

Ich habe eine Vorliebe für abgedrehte Filme. Es macht mir ungemein Freude, zu sehen, wie das Morbide, Unheimliche, Entrückte oder Absurde in die Ordnung des Alltags einbricht und sie zerstört oder zumindest zeitweilig aufhebt. Dementsprechend leuchteten meine Augen, als ich das erste Still von Der Bunker, Nikias Chryssos‘ erstem Langspielfilm, zu sehen bekam: ein 8-jähriger Junge wird von einem erwachsenen Mann mit  Max&Moritz-Gedächtnisfrisur (Daniel Fripan) gespielt, und im Hintergrund steht die Nietzsche-Büste. Dazu noch ein Bunker als Handlungsschauplatz und eine Kreuzung aus der Addams-Family und Familie Bates aus Psycho als Charaktere, denen der Student (Pit Bukowski) ausgeliefert ist – genau mein Ding. Dachte ich zumindest.

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Überraschung, Überraschung: Im Sommer wohnt er unten

Was passiert, wenn zwei sehr unterschiedliche Paare, durch Verwandtschaft gewissermaßen verbunden, aufeinander treffen ? Die Antwort liefert Im Sommer wohnt er unten, Tom Sommerlattes  Debüt-Film: Matthias (Sebastian Fräsdorf), unkompliziert und unambitioniert mit seiner französischen Freundin und ihrem Sohn, muss sich mit seinem pedantischen, ehrgeizigen und arroganten großen Bruder David (Godehard Giese) und dessen Frau, die unbedingt schwanger werden will, das familiäre Sommerhaus teilen.
 Das klingt zunächst nicht besonders originell oder spannend, doch man sollte keine voreiligen Schlüsse ziehen.

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