Merkwürdig, Schräg, Genial! ‚The Forbidden Room‘

Was für eine ästhetische Explosion! Was für ein Film!

Was der kanadische Filmemacher Guy Maddin in Zusammenarbeit mit Evan Johnson aus seinen Fingern gezaubert hat, ist eine wahrhaftige, surreal-cineastische tour-de-force. Schon die Bilder und der Teaser auf der Seite der Berlinale sahen vielversprechend aus (diese sind jedoch, wie wir bereits wissen, nicht wirklich vertrauenswürdig), was man dann aber auf der Leinwand zu sehen bekam, übertraf jeden Teaser und jede Erwartung. Von der ersten Sekunde an wird man in die merkwürdige Ästhetik hineingesogen, der Kinosaal füllt sich mit lautem Gelächter…

…Guy Maddin ist nämlich ein Experte für Stummfilm- und expressionistische Horrorfilmästhetik, die er in seinem neuen Film meisterhaft kombiniert und einsetzt. Matruschka-Puppenartig sinken wir immer weiter in eine Spirale wirrer Erzählungen, farbenprächtiger Welten, Stummfilmzwischentitel und absolut witziger Situationen.

Nachdem uns Zuschauern gelehrt wurde, wie man einen Bad richtig zu nehmen hat – Fuß zuerst (hoffentlich hat das Wasser die richtige Temperatur), die Seife in immer größer werdenden Kreisen einmassieren, von oben nach unten bis in den Genitalbereich – verfrachtet uns der Film in ein unter Explosionsgefahr stehendes U-Boot. Ein Holzfäller taucht wie aus dem Nichts auf, während die vier Seemänner verzweifelt versuchen, durch den Verzehr von „sehr sauerstoffhaltigen“ Pfannkuchen Luft zu sparen. Und das ist erst der Anfang! Während die Seemänner plus Holzfäller von Raum zu Raum den Weg zum verschollen geglaubten Kapitän suchen, erfahren wir von den Erinnerungen des Schnurrbartes eines sterbenden Mannes, von den Träumen eines lebendigen Vulkans, von lustvollen weiblichen Skeletten und vom Holzfäller, der da ist, um ein in Not geratenes Fräulein zu retten, bis zum Höhepunkt, als dieser das „Book of Climax“ öffnet- um nur einige der bizarren Narrationen zu nennen.

Wer aus dem Ganzen eine stringente Handlung herauslesen will, sollte das tunlichst vermeiden, denn das ist nahezu unmöglich. Aber die genialen Geschichten sind ja auch nicht das, was diesen Film hauptsächlich ausmacht, sondern vielmehr seine Ästhetik. Zweistreifen-Technicolor, verfallenes Filmmaterial, Noir, die Einblendung, Überblendung, Auslöschlung von Gesichtern (vor allem Charlotte Ramplings), die Stummfilmartigen Sprechzitate und Titel – Maddin kennt seine Kunst.

Und genau das ist dieser Film: Kunst, Filmgeschichte, top-notch Experimentalismus, ein absoluter Must-See!!

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