Drei Chinesen mit dem Kontrabass: Trivisa

Johnnie To muss ein sehr, sehr cooler Typ sein. Johnnie Wer? Johnnie To, seines Zeichen einer der einflussreichsten Regisseure des Hong Kong- Kinos, Regisseur von über 60 und Produzent von über 70 Filmen. Der jüngste Film, in dem To als Produzent fungiert, ist Trivisa, in dem er die Rolle des Regisseurs an drei Protegées abgibt: Vicky Wong, Jevons Au und Frank Hui, die hier ihre Regiedebüts abliefern. Johnnie To gab den Dreien eine lose Storyvorgabe, und ließ sie anschließend gewähren, ohne sich großartig einzumischen. Auf der Berlinale konnten wir nun sehen, ob sich dieses Experiment gelohnt hat.

Die kurze Antwort vorab: Ja, es hat sich absolut gelohnt!
Die Handlung folgt den „drei Königen der Diebe“, Gangsterbosse in Hong Kong, zur Zeit seiner kurz bevorstehenden Eingliederung in die VR China im Jahr 1997. Die Zeiten im Rampenlicht der Unterwelt sind für zwei der Könige seit geraumer Zeit vorbei. Bruder Foo (gespielt von Jordan Chan) leitet mit seinen langjährigen Kumpanen gemeinsam eine scheinlegale Firma von Unterhaltungselektronik, deren Waren vom Festland aus nach Hong Kong geschmuggelt werden. Sein Alltag wird vor allem durch Bestechungstreffen mit hohen Offiziellen bestimmt, die ihn herablassend behandeln und keine Ahnung haben, dass dort einer der meistgesuchten Verbrecher der Stadt vor ihnen sitzt. Ching-hung (Ka Tong Lam) hat den Großteil seines Standings in der Unterwelt eingebüßt, und wirkt nun eher wie ein Kleinganove. Ständig auf der Flucht, wechselt er paranoid andauernd seine Identität und geht, um sine Anonymität zu wahren, skrupellos über Leichen.
Keung (Richie Jen) auf der anderen Seite hat offenbar die kriminelle Regentschaft in Hong Kong übernommen. In seinem Größenwahn lebt er nur noch für den Kick, den seine öffentlichen Entführungen, Überfälle und Erpressungen ihm verschaffen, und ist ständig auf der Suche nach einem noch größeren Coup. Als das (willkürliche) Gerücht aufkommt, dass die drei Könige sich für ein großes Ding zusammentun wollen, findet der gelangweilte Keung Gefallen an dieser Idee, und ruft die Suche nach den beiden verbliebenen Königen aus.
Der Film ist in drei Abschnitte geteilt, von denen jeder einem der drei Protagonisten folgt. Das Besondere ist, dass jeder der drei Regisseure einen dieser Abschnitte eigenständig inszeniert hat, und diese drei Episoden anschließend zu einem Gesamtwerk zusammengefügt wurden. Dieser Kniff geht grandios auf, da somit jeder der grundverschiedenen Protagonisten bzw. Erzählstränge unterschiedlich in Szene gesetzt wird. Entgegen dem Klischee des Hong Kong Gangsterkinos wird auf große Action weitgehend verzichtet. Der Fokus liegt klar auf den drei Hauptcharakteren und deren Entwicklungen. Glücklicherweise ist jedes der drei Segmente, aus denen der Film besteht, ähnlich stark und die Protagonisten mit großartigen Darstellern besetzt, die ihren Figuren sehr überzeugend ganz unterschiedliche Färbungen geben. Zum Ende hin spitzen sich die jeweiligen Handlungsstränge derart zu, dass man im Kino vor Spannung auf seinem Sitz herumrutscht und nach dem Abspann kommt man aus dem Grinsen kaum mehr heraus.
Freunde des Hong Kong Films sollten sich die Namen der Regisseure unbedingt vormerken und sich den Streifen schleunigst zu Gemüte führen. Jedem mit einer Vorliebe für spannende und leicht verschlungene Thriller lege ich Triviso ebenfalls wärmstens ans Herz.

Janosch

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