Filmkritiken: Kraftidioten/In Order of Disappearance

 

‚In Order of Disappearance‘ – der Name dieses neuesten Films des Norwegers Hans Petter Moland (‚Ein Mann von Welt‘) ist Programm: Er zeigt die blutige Rachejagd eines Vaters, dessen Sohn von Gangstern ermordet wurde und der sich daraufhin selbst die Mafia-Gehaltsliste hochschlachtet. Dabei schafft er es, die klassischen Qualitäten vieler skandinavischer Filme zu vereinen und doch seinen ganz eigenen Ton zu finden, zwischen berührend, spannend und bitterbös komisch.

Unsere Kritik zu unser aller bisherigem Lieblingsfilm der Berlinale findet ihr hier.

Tag 10: Das erste miese Kino – im ‚Colosseum‘

So, mal kurz Aggression ablassen: Heute, 13.00 Uhr, wollten wir, wie angekündigt, den deutsch-israelischen Film ‘Anderswo’ schauen – Tickets hatten wir keine, setzten also auf die Akkreditierten-Schlange, aus der man bei nich freien Plätzen auch ohne Ticket reingelassen wird. Dazu mussten wir uns, zum ersten mal in unserem bisherigen Berlinale-Programm, ins ‘Colosseum’ begeben, ein Kino an der Schönhauser Allee, auf das wir durchaus gepannt waren – tatsächlich aber hat es das Kino geschafft, bereits durch einen 45-minütigen Aufenthalt als potentielle Wiederbesucher definitiv zu verlieren:

Dass bereits unser Weg dahin zum Martyrium wurde (verpasste S-Bahnen, Sackgassen im Bahnhof Gesundbrunnen und ein abgehetzter Fußmarsch), daran sind wir zugegebenermaßen selbst schuld – und evtl. hat dieser Einstieg nicht unbedingt unsere Geduld erhöht. Dass wir aber noch eine viertel Stunde nach Vorstellungsbeginn vergeblich Infos zum Einlass gewartet haben (während weiter fleißig Tickets verkauft wurden, deren Besitzer dann teilweise auch nicht mehr eingelassen wurden), obwohl bereits 10 Minuten vor Beginn absehbar hätte sein können, dass da nichts mehr gehen würde (angesichts der Schlange für Tickets); dass wir erst auf mehrfaches Nachfragen schließlich bloß ein aus dem Mundwinkel gemurmeltes “is voll” geerntet haben, bevor es schließlich Sven selbst übernahm, unsere Mitwartenden in angemessener Weise zu informieren (das Kino sollte ihm nen Job anbieten) – kurz dass wir quasi durchgehend ignoriert, als Besucher/Menschen zweiter Klasse behandelt wurden, das geht absolut auf das Konto des ‘Colosseums’ (und wir waren nicht die einzigen, die die bodenlose Unfähigkeit bedauert haben). Wir sind sauer, jedenfalls, und werden in Zukunft keinen Fuß mehr über die Schwelle dieses Lichtspielhauses setzen!

Versteht diesen leicht überhitzten Post schonmal als Vorgeschmack auf das noch folgende Best-Of – und Worst-Of – der Berlinale-Kinos…

Constantin

Tag 9: Von Schlangen und anderen Ungeheuren – Constantin über Strategien des Vordrängelns

Da wir am Freitag erstmals geschlossen nicht in der frühmorgendlichen Ticket-Schlange standen, möchten wir diese Auszeit als Gelegenheit zur Reflexion nutzen und euch an unseren Überlegungen teilhaben lassen, zu Menschen in Schlangen – und es geht nicht um unvorsichtige Safari-Amateure… -> hier findet ihr den kompletten Eintrag.

Tag 9: Freitag, 14.02.

Neben drei sehenswerten Filmen, haben wir aus Anlass unsres heutigen Ansteh-Aussetzens eine kleine Reflexion über das Schlangestehen ausgearbeitet…

Kritik zu No Man’s Land: coming soon…

-> spontanes Reaktionsvideo hier

Kritik zu Boyhood: coming soon…

-> (ewas konfuses) Reaktionsvideo hier

Kritik zu Calvary: coming soon…

Tagebuch: Von Schlangen und anderen Ungeheuern – Constantin über Strategien des Vordrängelns

Tag 10: Ticketrausch und Nickerchen

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Strike! Alle Tickets bekommen (siehe Bild von Maike, coming soon), die wir wollten, und insbesondere Nyyyyyyyyyyyyyyymphomaniac! Wehe, der wird jetz nich gut…

Egal, wir sind happy, waren so aufgedreht und anstrengend (mutmaßlich, für unsere Mitmenschen) wie nie und hatten jede Menge Spaß, trotz oder gerade wegen aller Erschöpfung. Nun sind wir endgültig platt und nutzen die Zeit bis zum nächsten Film (13.00 Uhr: ‘Anderswo’) für ein kleines Nickerchen…

(Constantin)

„Two by two and don’t push the door“

Das letzte Mal Anstehen für Tickets: Heute heißt es Abschied nehmen von diesem selbstzerstörerischen, aber auch liebgewonnenen Ritual. Und auch von unserem Lieblingstürsteher, der sich über 10 Tage seine Stimme ruiniert hat, um den reibungs- und stopplosen Lauf der Drehtür zu gewährleisten, während die Menge der Filmjunkies gierig drängend darauf einstürmte, um diese letzte Bastion vor dem Ticket Counter hinter sich zu lassen:

„Two by two and don’t push the door“, schallte es uns jeden Morgen furchtlos entgegen, jeden Tag ein bisschen mehr wie eine alte Vinylplatte und ohne sich von der Redundanz und Vergeblichkeit seiner Mühen beirren zu lassen: ein moderner Sysiphos…

Heute nun war er plötzlich still. Es scheint tatsächlich ein gewisser Lerneffekt einzusetzen bei den Leuten, nach 10 Tagen. Oder für die geschrumpfte Menge an Wartenden – nichtmal eine volle Länge vor dem Haus – war ihm seine Stimme zu schade. Oder er dachte sich, heut is der letzte Tag, wenn die Drehtür jetzt aussteigt, is mir doch egal. Wie auch immer, auf seinem Gesicht machte sich endlich Erlösung breit. Ein entspanntes Lächeln. So wie auf unseren (nur dass wir aufgedrehter waren). Na dann, erhol deine Stimmbänder, und bis nächstes Jahr!

(Constantin)

Filmkritiken: ‚Zeit der Kannibalen‘ (jetzt aber wirklich)

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Der zweite Spielfilm von Johannes Naber will eine Abrechnung sein mit der postkolonialen Scheinheiligkeit des globalen Kapitalismus und seiner exterritorialen Vertreter. Er will es zu sehr, traut sich doch nicht genug und scheitert letztlich an seiner eigenen Oberflächlichkeit – und seinen Darstellern.

Unsere Kritik findet ihr hier.