Elvis lebt, der amerikanische Traum ist tot! The King von Jakob Ejersbo

So viel vorab: Ich bin kein Elvis-Fan und werde wohl auch keiner mehr. Und nein, Elvis lebt natürlich nicht mehr, sorry. Aber das heißt ja nicht, dass ich eine Doku über ihn nicht sehenswert sein kann, oder? Stimmt auch, ich mochte die schon. Aber mit Abstrichen.

Für ‚The King‘, die Elvis Doku/Amerikanischer Traumentzauberung, die ich abseits der Berlinale im Rahmen der AG Kino-Gilde gesehen habe, ist Filmemacher Jakob Ejersbo im alten Rolls Royce des legendären Entertainers durch die USA gefahren und hat Wegbegleiter, Zeitgenossen und generell Leute, die etwas zu Elvis sagen wollten interviewt. Der Clou an der Sache ist allerdings, dass er das Leben des ‚Kings‘ zwar verfolgt und dokumentiert, gleichzeitig aber Parallelen von diesem zur Geschichte Amerikas mit der Hiobsbotschaft Trump an ihrem Ende zieht. Vor allem porträtiert er aber den Fall der „großen Lüge vom amerikanischen Traum“.

Gekonnt schneidet Ejersbo Ton und Videoaufnahmen von Elvis zwischen die Interviews, die sowohl ihn als auch den amerikanischen Traum thematisieren. Natürlich wird die unterhalterische Leistung und der unglaubliche Einfluss, den Elvis auf die amerikanische Popkultur ausgeübt hat gewürdigt. Allerdings wirkt das Bild, das von Presley gezeichnet wird, nicht übermäßig glorifizierend. Auch Kritiker, wie Chuck D von Public Enemy, die Elvis in ihrem Hit ‚Fight the Power‘ ein paar wenig schmeichelhafte Zeilen gewidmet haben, erhalten eine wichtige Stimme im Film. Hierdurch findet eine gewisse Entzauberung der Popikone statt, die mit der Entzauberung des amerikanischen Traumes einhergeht. Das Ergebnis ist unterm Strich eine sehr kurzweilige und unterhaltsame Dokumentation, die sowohl das Leben wie auch das Scheitern von Elvis Presley dokumentiert, und die verklärte Vorstellung, die viele von ihm haben auf den Boden der Tatsachen zurückholt.

Und jetzt zum etwas negativen Teil:
Die Verlinkung zur amerikanischen Geschichte ist an sich eine sehr gute Idee. Allerdings werden zu viele Fässer auf einmal aufgemacht. Eine Verlinkung von Elvis‘ Mythos mit dem vom amerikanischen Traum ergibt schon Sinn da beide sehr oberflächlich sind und einer genauen Prüfung nicht standhalten. Allerdings will der Film auch die „Komplexität der amerikanischen Nation“ thematisieren. Dieser Gedanke wird aber quasi nicht weiter verfolgt, man muss sich mit dem Statement „die amerikanische Nation ist doch viel komplexer“ zufriedengeben. Ja gut, das glaube ich schon, aber was hat das mit Elvis zu tun?
Die Auswahl der Interviewpartner ist teilweise fraglich. Was hat Alec Baldwin, der zu Elvis quasi nichts sagt, und nur murrt, wie scheiße er Trump findet, hier verloren? Und zu sehen, wie Ashton Kutcher kritisch mit seiner Karriere ins Gericht geht, war zwar persönlich befriedigend, hat in diesem Film aber nichts verloren. Nur Ethan Hawke scheint sich mit Elvis‘ Leben detaillierter auseinandergesetzt zu haben, was ihn aber noch lange nicht zur absoluten Elvis Instanz macht, die unbedingt in diesen Film gehört. Das Nachwort Hawkes zum Ende des Films ist allerdings ebenso hart wie es gut pointiert ist, deshalb darf zumindest er von mir aus bleiben.

Eine komplette Fokussierung auf den Mythos Elvis und den amerikanischen Traum hätte dem Film deutlich besser getan, man braucht nicht überall Trump reinzupacken. Dieser ist ja mehr eine Konsequenz des Scheiterns, nicht aber die Ursache.
Was bleibt ist ein von Machart und Pacing her guter Film, der sich leider ein bisschen zu viel vorgenommen hat.

Janosch

 

Bildmaterial: AG Kino-Gilde

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