Audiovisueller Neon-Punk – Khook (Pig) von Mani Haghighi

Hasans (Hasan Majuni) Arbeit wird nicht geschätzt: Nicht von seiner Muse, die mit einem anderen Regisseur drehen möchte, nicht von den iranischen Behörden, die ihn seit Jahren keine Filme machen lassen, und nicht von der Werbebranche, für die er nun Spots drehen muss,um sich über Wasser zu halten. Und scheinbar respektiert ihn nicht einmal der Serienkiller, der in Teheran einen Filmemacher nach dem anderen umbringt und nur ihre mit „Khook (Schwein)“-Einritzungen verzierten Köpfe zurücklässt. Der verschont ihn nämlich und ruiniert damit dessen Ruf – meint zumindest Hasan selbst, als er sich bei seiner Mama über all die Ungerechtigkeiten ausheult, die ihm widerfahren. Die weiß, wie sie ihren Sohn aufbauen kann: „Keine Sorge, mein Schatzi, der Killer kommt schon noch zu dir – er hebt sich den Besten eben für den Schluss auf!“ weiterlesen →

I don’t like Reggae, I love it! -Yardie von Idris Elba

„Ich bin ja ein großer Fan von Idris Elba.“ – ein Satz, den man wohl von jedem so oder so ähnlich hören konnte, der sich während der Berlinale ins Kino begeben hatte, um Elba’s Regiedebut Yardie zu sehen. Ich bin auch ein großer Fan von Elba. Toller Schauspieler, cooler Typ, der beim Q&A einen extrem sympathischen Eindruck hinterlassen hat. Gleichzeitig gehen bei mir aber auch schrillste Alarmglocken los, wenn ein A-List Schauspieler sich entschließt, unter die Regisseure zu gehen. weiterlesen →

Twarz (Mug) von Małgorzata Szumowska – Von Gesichtern und Außenseitern

Das Gesicht verlieren, das heißt im allgemeinen Sprachgebrauch, Ansehen, Glaubwürdigkeit, Würde, Respekt einzubüßen. Vor allem in öffentlichen Räumen sind wir alle (das beschränkt sich ja nicht nur auf asiatische Kulturräume) darum bemüht, unser Gesicht zu wahren. In Twarz (Mug) von Małgorzata Szumowska verliert der Protagonist Jacek (Mateusz Kościukiewicz) sein Gesicht, hier allerdings wortwörtlich. Daraus entspannt sich ein facettenreiches Drama, das feinfühlig und mit viel Witz Fragen zu Außenseitertum und Identität verhandelt. weiterlesen →

Der Film heißt „Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot“ und ist eine Katastrophe

„Robert, ich schreibe am Montag Abitur! In Philosophiee [sic]!“ herrscht Elena (Julia Zange) ihren Zwillingsbruder Robert (Josef Mattes) an und liefert dem Publikum damit eine ungelenke Exposition. So wird also das „Philosophieren“ gerechtfertigt, das uns Philip Grönings Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot aufbürdet und das in einen wohl als erschütternd beabsichtigten Gewaltexzess mündet. Dieses späte Schreien, Schießen und Ficken gerät aber ebenso ermüdend, wie das ihm vorangehende Gelaber und Gehabe geschwollen und oberflächlich ist. weiterlesen →

Dumm, abstoßend, belanglos – Inkan, gongkan, sikan grigo inkan (Human, Space, Time and Human) von Kim Ki-duk

Ok, ich wurde vorgewarnt. Der Regisseur Kim Ki-duk habe „ein bisschen n’Rad ab“, wurde mir gesagt. „In seinem letzten Film wurden 4 Penisse abmontiert“, oder so ähnlich. „Ist ja alles kein Ding“, dachte ich vorher. Und dann hab ich mich durch Inkan, gongkan, sikan grigo inkan gequält und singe jetzt ein anderes Lied. Ich könnte mich ewig aufregen. So richtig ist das der Film aber nicht wert. Deshalb fasse ich mich einigermaßen kurz. weiterlesen →

Liegengelassene Fäden – Die defekte Katze von Susan Gordanshekan

Mina (Pegah Ferydoni) lebt im Iran und ist als unverheiratete Frau Mitte 30 ihren Sonderlings-Status leid. Lustig sollte er sein, ungefähr in ihrem Alter und Akademiker, der Ehemann. Diese reichlich vage Beschreibung trifft auf Kian (Hadi Khanjanpour) zu, der in Deutschland aufgewachsen ist und Mina nach der arrangierten Hochzeit zu sich holt. Dort versuchen die beiden, sich mit ihrem gemeinsamen Leben anzufreunden und Gefühle füreinander zu entwickeln. Das ist grundsätzlich eine schöne Ausgangslage für einen reflektierten Film über Geschlechterrollen, Erwartungen an Beziehungen und kulturelle Differenz. weiterlesen →

Die beste Doku der Berlinale! The Silence of Others von Almudena Carracedo und Robert Bahar

Ich habe bislang fünf Dokumentationen auf der Berlinale gesehen, von denen die meisten gut bis ziemlich gut waren (von der ein oder anderen werden wir sicher noch berichten).

Dann sah ich The Silence of Others von Almudena Carracedo und Robert Bahar und bin mir sicher: Das ist von allen Dokumentarfilmen der Berlinale der stärkste, es sei denn, es käme noch einer von der Qualität des Meilensteins The Look of Silence von 2015 (die Namen sind ja voll ähnlich!), was ich angesichts des Programmes wirklich nicht erwarte. weiterlesen →

Gemeinsam um die Runden kommen – Al Gami’ya – What comes around

Man stelle sich vor: Mehrere Bewohner eines Viertels zahlten regelmäßig einen kleinen Geldbetrag in einen Topf. Danach würde gemeinsam entschieden, wem davon etwas als erstes zukommen soll. Finanzen würden nach Notwendigkeit verteilt, Kinder lernten dieses System von den älteren Generationen und wüchsen mit dem Verständnis auf, dass Geld eine gemeinsame Angelegenheit ist…

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„Lütt Dirn, Kumm man röwer, ick hebb ’ne Birn.“ – Den utrolige historie om den kæmpestore pære (Die unglaubliche Geschichte von der Riesenbirne)

Wie…, es gibt animierte Kinderfilme abseits von Disney und Pixar? Ja, offenbar schon, und zwar aus Dänemark, das schon lange für seine großzügige Förderung von heimischen Kinderfilmen gerühmt wird, die dort übrigens auch einen Großteil des Kinomarktes dominieren (das hat mir ein Vorstandsmitglied des Berliner Film und Fernsehverbandes so gesteckt, liebe Grüße an der Stelle). „Den utrolige historie om den kæmpestore pære – Die unglaubliche Geschichte von der Riesenbirne“ von Philip Einstein Lipski, Amalie Næsby Fick und Jørgen Lerdam  ist genau so ein Film. weiterlesen →